Kira Minttu: Jugendbücher, die von Musik handeln

Titelgrafik zum Porträt der Autorin Kira Minttu

Es gibt Autorinnen, deren Bücher man an der Musik erkennt, die darin läuft. Kira Minttu gehört dazu. Ihre Romane für junge Erwachsene sind so eng an Songs, Bands und Bühnen gebaut, dass ein Gespräch mit ihr über Musik näherliegt als eines über Literatur.

Vom traurigen Kind zur Rockmusik

Minttu erzählt ihre eigene Schreibbiografie mit einer Pointe: Mit etwa zehn Jahren begann sie, Kurzgeschichten zu schreiben, die sie selbst als erschütternd traurig beschreibt – so traurig, dass sie beim Schreiben weinte. Zwei Jahre später entdeckte sie die Rockmusik, und das änderte die Richtung.

Was danach entstand, endet nicht mehr zwangsläufig im Unglück. Die emotionale Intensität blieb, das vorprogrammierte schlechte Ende verschwand. Man kann das als literarische Selbstauskunft lesen: Musik als die Erfahrung, dass starke Gefühle nicht in Traurigkeit münden müssen.

Fünf Autorinnen, ein Label

Minttu veröffentlicht über Ink Rebels, ein gemeinsames Label von fünf Autorinnen: Jennifer Benkau, Kira Minttu, Julia Dibbern, Franziska Fischer und Daniela Ohms. Der Vertrieb läuft über den Amrûn Verlag.

Diese Konstruktion ist im deutschsprachigen Jugendbuchmarkt bemerkenswert. Ein Autorinnenlabel ist kein Selfpublishing und kein klassischer Verlagsvertrag, sondern etwas Drittes: gemeinsames Marketing, geteilte Reichweite, geteilte Kosten – bei erhaltener Kontrolle über die eigenen Bücher. Für ein Genre, in dem Leserinnen Autorinnen eng folgen und Empfehlungen untereinander mehr wiegen als Werbung, ist das ein schlüssiges Modell.

Die Bücher

Zu Minttus Titeln gehören Me, without Words und Falling to Pieces (beide 2017) sowie Keep on Dreaming und Tanz, meine Seele. Die englischen Titel sind kein Zufall: Sie stammen aus der Sprache der Musik, in der die Bücher spielen, und markieren zugleich die Nähe zum internationalen New-Adult-Genre.

Die Themen kreisen um Freundschaft, Identität und emotionale Entwicklung – die Kernfragen des Jugendbuchs, hier konsequent über Musik erzählt. Wer schreibt, dass jemand ein Lied hört, kann etwas mitteilen, was eine Beschreibung nicht leistet: Die Leserin kann das Lied selbst hören und die Figur damit von innen erleben.

Zwei Namen

Minttu veröffentlicht auch als Kira Mohn. Doppelnamen sind im Genre üblich und meist keine Geheimniskrämerei, sondern Marktsortierung – unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Verlage, unterschiedliche Erwartungen an das, was zwischen zwei Buchdeckeln passiert. Der Name auf dem Cover ist im Jugendbuch weniger eine Person als ein Versprechen.

„Minttu“ ist übrigens finnisch und heißt Minze. Zusammen mit dem erklärten Wunsch, eines Tages in Schottland zu leben, ergibt das eine nordische Neigung, die zum Ton ihrer Bücher passt.

Warum diese Seite existiert

Auf typothek.de gab es früher ein Gespräch mit Kira Minttu über Musik – Teil einer Reihe von Interviews, die auf einer der Vorgängerdomains dieser Seite erschienen. Der ursprüngliche Text ist nicht erhalten. Statt ihn zu rekonstruieren, steht hier ein Porträt: Was sich über die Autorin belegen lässt, ohne ihr Sätze in den Mund zu legen, die sie so vielleicht nie gesagt hat.

Weitere Autorenporträts in der Rubrik Kultur, etwa zu Christoph Jehlicka und Babet Mader. Zur Musikförderung in Deutschland: Initiative Musik gGmbH.