Babet Mader: „Väter“ – der zweite Roman

Titelgrafik zum Roman Väter von Babet Mader, 2013

Ein Debüt bekommt Aufmerksamkeit, weil es ein Debüt ist. Der zweite Roman bekommt sie nicht geschenkt. Babet Mader legte 2013 mit Väter im Leipziger Open House Verlag nach – ein Jahr nach hungrig, mit dem sie 2012 debütiert hatte.

Vom Literaturinstitut nach Berlin

Babet Mader wurde am 26. Mai 1982 geboren und ist in Berlin aufgewachsen, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Seit 2010 arbeitet sie als freie Autorin; von 2010 bis 2013 studierte sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Das Leipziger Institut ist eine Besonderheit im deutschsprachigen Literaturbetrieb: eine Hochschule, an der das Schreiben selbst unterrichtet wird, hervorgegangen aus dem Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ der DDR und 1995 neu gegründet. Wer dort studiert, schreibt im Werkstattbetrieb – Texte werden vorgelegt, zerlegt, verteidigt. Maders erste beiden Romane entstanden parallel zu diesem Studium.

Bemerkenswert ist die Taktung. hungrig 2012, Väter 2013, Dialoge 2015 – drei Bücher in vier Jahren, alle bei Open House. Daneben erschienen zwischen 2011 und 2014 Prosatexte in Anthologien, darunter Gedichte und Kurzprosa in der Tippgemeinschaft, dem Jahrbuch des Literaturinstituts.

Ein Verlag, der auf Debüts setzt

Väter erschien in der „Reihe 1“ des Open House Verlags, der Reihe für deutschsprachige und internationale Gegenwartsliteratur. Der Leipziger Verlag hat sich einen Namen damit gemacht, Autorinnen und Autoren zu verlegen, für die größere Häuser sich nicht zuständig fühlten – und dabei internationale Stimmen ins Programm zu holen, die auf Deutsch sonst nicht zu haben wären.

In derselben Reihe erschien Paula Bomers „Neun Monate“, ebenso Poljak Wlassowetz’ „Mirovia“. Das ergibt ein Programm, das man in dieser Zusammenstellung bei keinem Publikumsverlag findet: eine Berliner Debütantin, ein deutscher Autor unter Kunstnamen und eine amerikanische Erzählerin, die im Original bei Soho Press erscheint.

Der Titel als Programm

Väter – der Plural ist die erste Information, die der Titel gibt. Nicht Der Vater, nicht Mein Vater. Ein Buch mit diesem Titel verhandelt keine einzelne Beziehung, sondern eine Kategorie.

Das ist ein Thema mit langer Tradition in der deutschsprachigen Literatur. Die sogenannte Väterliteratur der späten 1970er und 1980er Jahre – Bernward Vespers Die Reise, Peter Härtlings Nachgetragene Liebe, Christoph Meckels Suchbild – arbeitete sich an den Vätern der NS-Generation ab. Eine Autorin des Jahrgangs 1982 schreibt in einer anderen Konstellation: Ihre Väter sind die Söhne jener Väter, aufgewachsen in den Sechzigern und Siebzigern, oft mit dem ausdrücklichen Vorsatz, es anders zu machen als die eigenen.

Ob und wie Väter diesen Generationenwechsel behandelt, gehört zu dem, was das Buch selbst beantwortet. Die literaturhistorische Linie ist jedenfalls da, und sie zu ignorieren, ist bei diesem Titel nicht möglich.

Warum die Deutsche Nationalbibliothek hier auftaucht

Eine Kuriosität am Rande, die für dieses Archiv Bedeutung hat: Der wichtigste Verweis auf die ursprüngliche Buchseite kam aus dem Portal der Deutschen Nationalbibliothek. Das ist kein Zufall, sondern Gesetz – seit 1913 muss jede in Deutschland erscheinende Publikation dort abgeliefert werden, seit 2006 gilt das auch für Netzpublikationen.

Für ein Buch aus einem kleinen Leipziger Verlag heißt das: Es steht im selben Katalog wie jeder Bestseller. Die Nationalbibliografie kennt keine Auflagenhöhe. Diese Gleichbehandlung ist der Grund, warum kleine Verlage im deutschen System eine Sichtbarkeit behalten, die sie über den Buchhandel allein nie hätten.

Weiterlesen

Maders Debütroman ist auf dieser Seite eigens besprochen: Babet Mader: „hungrig“. Wer sich für das Programm des Leipziger Verlags insgesamt interessiert, findet weitere Titel in der Rubrik Kultur.